Öffnungszeiten
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Donnerstags
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(nur Bürgerbüro)

Den Künzeller Himmelsschauplatz besuchen und Sterne beobachten

Die natürliche, dunkle Nachtlandschaft und der (Sternen-)Himmel sind aufgrund der geringen Lichtverschmutzung im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön besonders sicht- und erlebbar. Auch bei uns in Künzell gibt es einige Orte, die wenig Lichtverschmutzung, also wenige künstliche Lichtquellen aufweisen.

Schalten Sie Ihre Haus- und Wohnungsbeleuchtung aus und erleben Sie den zauberhaften Sternenhimmel, entweder auf dem Balkon oder der Terrasse oder z.B.

  • am Giebelrain, Dietershausen

  • am Dassenrasen oder auf Loheland

  • auf dem Wisselsroder Küppel, 

  • am Noppen in Keulos oder

  • am Himmelsschauplatz in Dietershausen (Nähe Schönstatt Zentrum).

 

Der Nachthimmel im Mai

Wonnemond Mai – Blütenschimmer, Blue Moon und gemächliches Funkeln am Sternenhimmel

 

Eines der bekanntesten Gedichte zu Frühlingsnächten stammt von Joseph von Eichendorff. Es beginnt mit der sehnsüchtigen Vermutung: „Es war als hätt der Himmel, die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer, von ihm nun träumen müsst…!“ Dieser all-abendlicher Kuss, wenn sich Himmel und Erde in der Dunkelheit näherkommen, kommt im Mai immer später. Ende Mai scheint die Sonne bereits 1,5 Stunden länger als am Monatsanfang und ist dann 16 Stunden über dem Horizont zu sehen. Wie zum Trost über die nach hinten verschobene Sternensicht beginnt und endet der Mai jeweils mit Vollmond. Zwei Vollmonde innerhalb eines Kalendermonats sind selten und finden im Durchschnitt nur alle zweieinhalb Jahre statt. Dieser zweite Vollmond ist als „blue moon“ oder blauer Mond bekannt, und die englische Redewendung „Once in a blue moon“ kann entsprechend übersetzt werden mit „Alle Jubeljahre einmal.“ Neumond ist am 16. Mai, und in den Tagen darauf kann man am Westhimmel wieder die schönen Sicheln des zunehmenden Mondes im tiefen Abendblau im Zusammenspiel mit Venus bewundern.

Durch die NASA-Artemis-Mission ist unser treuer Erdtrabant mal wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die für die aktuelle Mondmission wichtige Navigationstechnologie wurde übrigens in Deutschland, genauer in Thüringen in der Stadt Jena, entwickelt. Zwei hochpräzise ASTRO-APS-Sternsensoren spielten dabei eine Schlüsselrolle, denn sie leiteten die Orionraumkapsel sicher auf die Mondumlaufbahn und wieder zurück zur Erde. Dabei dienten die Sterne und bekannten Bewegungsbahnen innerhalb der Galaxie zur Orientierung. Das Beispiel zeigt, wie wichtig für den Standort Deutschland naturwissenschaftliche und technische Kompetenz ist.

Planeten und gemächliche Sterne

Noch bis Mitte Mai hat man Westhimmel einen schönen Himmelsanblick mit den restlichen und sehr hellen Wintersternen Prokyon aus dem Kleinen Hund, Capella aus dem Sternbild Fuhrmann sowie Castor und Pollux aus den Zwillingen, die gut zu finden sind, da der Riesenplant zurzeit sehr prominent in den Zwillingen weilt. Gleichzeitig betört die Venus als strahlender Abendstern die Himmelsbühne.

Der Frühlingshimmel ist nicht so reich an hellen Objekten wie der Winter- oder Sommersternhimmel. Den Großen Wagen, der lediglich Bau und Schwanz der Großen Bärin darstellt, steht im Mai hoch im Zenit. Der Schwanz bzw. die Deichsel hilft nun beim Auffinden des sogenannten Frühlingsdreiecks. Folgt man dem „Knick“ der Deichsel und verlängert Richtung Horizont, trifft man zunächst auf den hellen orange leuchtenden Stern Arktur aus dem Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt, und in der Verlängerung des gebogenen Sternenzugs auf die bläuliche Spica im Sternbild Jungfrau. Vervollständigt wird das Früh-lingstrio durch Regulus, das Herz des Löwen.

Insbesondere Arktur, der Hauptstern des Sternbild Bootes, verdient einen genaueren Blick. Nach Sirius ist er der zweithellste Stern am nördlichen Sternhimmel und gehört mit der Spektralklasse K zu den Roten Riesensternen. Mit einer mit der Sonne ähnlichen Masse, maximal das 1,5-Fache davon, beträgt sein Durchmesser jedoch 17,7 Millionen km gegenüber der Sonne mit 1,4 Millionen km. Die enorme Größte zeugt von seinem Zustand als alternder Stern. Seine Entfernung zur Sonne beträgt nur 36,7 Lichtjahre, und mit einer Geschwindigkeit von 122 km/sec hat er relativ zum Sonnensystem eine hohe Eigengeschwindigkeit. Dies hat zur Folge, dass er sich in 850 Jahren um etwa einen Monddurchmesser in südwestlicher Richtung bewegt. Zur nächsten Jahrtausendwende wird das Sternbild Bootes also stark von seinem jetzigen Bild am Himmel abweichen.

Unterhalb des Frühlingsdreiecks schlängelt sich die Wasserschlange als das größte Sternbild entlang – ihr lichtschwachen Sterne sind im Dunst der nächtlichen Lichtverschmutzung nur an dunklen Orten zu bewundern. Im Osten kündigen sich schon mit Herkules, dem Schlangenträger, und der nördlichen Krone die Sternbilder des Frühsommers an. Ab und an wird im Mai auch eine Sternschnuppe aus unterschiedlichen Strömen zu sehen sein.

Übrigens: Während der Mai seinen Namen der römischen Mythologie zufolge der Göttin des Frühlings Maia zu verdanken hat, geht der Begriff „Wonnemonat“ ursprünglich auf das altdeutsche Word „winnimanod“ zurück, was „Weidemonat“ bedeutet, da die Tiere nach dem Winter wieder auf die Weide getrieben wurden. Erst später wurde dies zu „Wonne“ – also Freude – umgedeutet.

Infos zum Sternenpark Rhön: https://biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

Dr. Franz-Peter Schmidt und Sabine Frank, Verein Sternenpark Rhön e.V.