Geschichte der Gemeinde Künzell

Der Ursprung der Geschichte Künzells geht vermutlich zurück bis in das Jahr 743, als dem Erzbischof Bonifatius vom fränkischen Hausmeier Karlmann größere Ländereien geschenkt wurden, auf denen der Fritzlarer Mönch Sturmius am 12. März 744 das Benediktinerkloster Fulda errichtete.

Im Talkessel des Oberlaufes des Grezzbaches bildete sich eine Ansiedlung, eine Cella, die nach ihrem Gründer, dem Mönch Chindolf, den Namen Chindecella oder Kindecella erhielt. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Name mehrfach, bis er schließlich zum heutigen Namen Künzell führte. Diese Siedlung muss bereits im 9. Jahrhundert entstanden sein.

Künzell wird erstmals im Jahr 1165 im Codex Eberhardi urkundlich erwähnt. Um 1250 spricht man von vier Bauerngütern, 1510 von sieben. Vom 14. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert war das Gebiet der Gemarkung Künzell an mehrere Grundherrschaften vergeben worden, die das Land in verschiedene Größen an die Bauern, Hintersiedler und Hüttner verlehnten. Künzell gehörte mit Kirche und Schule zur Pfarrei Florenberg, einem großen Pfarrverband, der die Orte Bronnzell, Dirlos, Edelzell, Engelhelms, Kohlhaus, Pilgerzell, Keulos, Bachrain, Welkers, Löschenrod und Eichenzell umfasste und ursprünglich der Propstei Johannesberg angeschlossen war.

Erst mit dem Bau der neuen Antoniuskirche im Jahre 1900/1902 und Errichtung einer eigenen Pfarrei in 1912 schieden Künzell und Keulos aus dem Kirchenverband Florenberg aus, nachdem bereits im Jahre 1842 die Schule nach Keulos und 1882 nach Künzell verlegt worden war.

Bis zum Jahre 1950 war Künzell vom bäuerlichen Element geprägt. Ein lebhafter Strukturwandel in der Landwirtschaft trug dazu bei, in wenigen Jahren das Ortsbild zu verändern und Künzell zu einer modernen Wohnsitzgemeinde zu wandeln. Der Kernort Künzell-Bachrain umfasst die Wohnbereiche Künzell und Bachrain und hat fast 8.000 Einwohner. 2015 fanden die Feierlichkeiten zum 850jährigen Jubiläum statt. Durch die Gebietsreform in den Jahren 1971/72 wurden in die Gemeinde Künzell die Gemeinden Keulos, Wissels, Dassen, Dietershausen, Dirlos, Pilgerzell und Engelhelms eingegliedert

Eines der historisch interessantesten Dörfer ist Dietershausen. Der an der Haune gelegene Ort wurde am 03. August 810 erstmals urkundlich erwähnt, als Theothart und sein Bruder Alphart zum Gedenken an ihren Vater Theotrich Besitztümer in dem im Grabfeld-Gau am Ufer der Haune gelegenen Ort „Theotrichesus“ dem Kloster Fulda schenkten. Dietershausen war Mittelpunkt einer 1226 erwähnten Großpfarrei. Die Herren von Ebersburg hatten im 16. Jh. das evangelische Bekenntnis in Dietershausen eingeführt. Durch den Fuldaer Fürstabt Balthasar von Dermbach wurde der Ort in 1603 aber wieder katholisch. Bei der Gebietsreform hatte der Ort 812 Einwohner, heute sind es fast 1.100. Im Jahr 2010 feierte der Ort sein 1.200jähriges Jubiläum.

Pilgerzell wird schon 830 in Urkunden als Biligrimcella genannt. Es war wie Künzell in das kirchliche Zentrum Florenberg eingepfarrt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Pilgerzell 956, als unter Abt Hadamar (927 – 956) Einkünfte aus Pilgerzell der berühmten Kunst- und Handwerksschule des Klosters Fulda überwiesen wurden. 1510 besaß Pilgerzell 10 Viehhalter. Der Ort wuchs von 43 Haushalten in 1871 auf 53 im Jahre 1938. Seit 1965 besitzt Pilgerzell eine eigene Kirche. Zur Zeit der Gebietsreform hatte Pilgerzell knapp über 1.500 Einwohner, heute sind es über 2.900. 2006 feierte Pilgerzell sein 1050jähriges Jubiläum.

Der kleine Ort Wissels konnte 1980 sein tausendjähriges Bestehen feiern.1727 wird von einer Rochuskapelle gesprochen, die 1768 durch einen Neubau ersetzt und später abgerissen wurde. Die heutige Kirche stammt aus 1954. Die Einwohnerzahl ist von 1972 bis heute nahezu konstant geblieben und liegt bei rund 250.

Keulos wird erstmals 1212 als Ort erwähnt, als Dechant Berthold von der Propstei St. Peter, Petersberg, für seine Kirche neben anderen Gütern auch zwei Äcker in „Cugels“ kauft.

Um 1840 ist Keulos etwa gleich groß wie Dirlos und Künzell und gleichartig – je ein Gutshof, einige Bauernhöfe und mehrere Abhängige als Tagelöhner, Kutscher usw. für den Gutshof. Deshalb erhielt Keulos – zentral liegend – 1843 den Schulstandort. Der Ort ist in den darauf folgenden Jahren nur sehr langsam gewachsen und mit Dirlos und Künzell von der Einwohnergröße nicht mehr vergleichbar. 1972 hatte Keulos 322 Einwohner, inzwischen sind es über 400. 2012 feierte der Ort sein 800jähriges Jubiläum.

Engelhelms wird 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Von Abt Huoggi (891 – 915) wurde die Kirche auf dem Florenberg gebaut. Im Jahre 1968 konnte eine moderne Kirche, die Christkönigkirche, für Engelhelms und Edelzell eingeweiht werden. Engelhelms ist seit 1972 von 1.200 auf rd. 2000 Einwohner angestiegen. 2001 feierte Engelhelms sein 725jähriges Jubiläum.

Von Dirlos ist 1305 erstmals die Rede, als der Fuldaer Abt Heinrich VI von Hohenberg den Rückkauf von Gütern „in villa Tyerolfes“, auch „Tyrolffus“, durch das Pfortenamt des Klosters bestätigte. Wahrzeichen des Ortsteiles ist der „Dicker Turm“, einer der vielen mittelalterlichen Wacht- und Signaltürme rings um Fulda. In der Mitte des Ortes steht eine 1797 errichtete und 1832 vergrößerte Wegekapelle. Die einfach gehaltene Kirche stammt aus der NS-Zeit (1933-45). Dirlos ist seit 1972 von 1.214 auf über 2.000 Einwohner angewachsen. Im Jahr 2005 konnte der Ort sein 700jähriges Jubiläum feiern.           

Dassen ist nach urkundlichen Erwähnungen die jüngste Ortschaft. 1633 ist die kleine Streusiedlung erstmals genannt. Ein Ausdehnungsdrang hat seither kaum stattgefunden. Schulisch und kirchlich ist der Ort nach Dietershausen ausgerichtet. 1972 hatte Dassen noch 104 Einwohner, derzeit sind es über 80.

Mit fast 16.700 Einwohnern hat sich die Gemeinde zur zweitgrößten Kommune des Landkreises Fulda, nach der angrenzenden Barockstadt Fulda, entwickelt. Heute ist Künzell eine ausbaufähige, moderne Stadtrandgemeinde, die zwei Komponenten miteinander verbindet: ein stadtähnliches Ortsbild, aufgelockert mit großzügigen Grünanlagen und eine dörfliche Idylle. Künzell befindet sich fernab vom Lärm und der Hektik der Stadt Fulda, doch aber inmitten des wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums der Region.

Die Infrastruktur Künzells bietet alles, was zu einer attraktiven Wohngemeinde gehört: Post, Sparkassen und Banken, Ärzte, Apotheken, Seniorenwohnanlagen, das Gemeindezentrum, die Florenberghalle, ansprechende Bürgerhäuser in den Ortsteilen und sonstige Räume für Feierlichkeiten für jedermann, auch für Auswärtige, zu einem angemessenen Tagespreis. Weiterhin Grundschulen, Hauptschule, Gymnasium (Rudolf – Steiner – Schule), katholische und evangelische Kirchen, Kindergärten und Spielplätze, Einkaufsmärkte sowie Einzelhandels- und Fachgeschäfte. Von besonderer Bedeutung sind die Freizeitanlagen in Künzell. So wurde das ehemalige Waldschwimmbad an einen privaten Betreiber veräußert. Dieser hat es zu einem modernen Schwimm-, Freizeit- und Hotelzentrum, dem „Sieben Welten Therme & Spa Resort“, umgebaut.

Für Freizeit, Sport und Spiel stehen darüber hinaus Spiel- und Sportplätze, Tennis-, Squash- und Badmintonhallen, Kegelbahnen, Turnhallen, Reithallen, Schießstände, Büchereien, ein Bahnengolfzentrum, ein ADAC-Verkehrsübungsplatz, ein Takka-Tukka-Abenteuerland als Indoor-Spielewelt und  eine „Socca five“-Anlage – Hallenfußball mit Bande und Action-Atmosphäre sowie eine „Indoor–Modelleisenbahnanlage“ - zur Verfügung.

Durch die vielen kulturellen Möglichkeiten hat sich ein reges Vereinsleben entwickelt. Über 80 Vereine und Organisationen laden zur Freizeitgestaltung ein. Es gibt Turn- und Sportvereine, Rhönklub-Zweigvereine, Karnevalsvereine, Gesang- und Musikvereine, Brieftauben-, Schützen-, Reit- und Fahrvereine, Tanzsportvereine wie der mehrfache Europameister TSG Künzell, einen Tennisverein, einen Heißluft-ballonverein, einen Fotoclub, einen Minigolfclub usw..

Nicht zu vergessen sind die Freiwilligen Feuerwehren, die überall in den Ortsteilen bestehen und mit modernen Feuerwehrgerätehäusern und Fahrzeugen ausgestattet sind. Das Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Dirlos ist weit über die Grenzen der Gemeinde Künzell bekannt und beliebt. Die Musikzüge der Feuerwehren Bachrain und Pilgerzell und der Musikverein Haunequelle Dietershausen sind bestrebt, einen ähnlichen Bekanntheitsgrad zu erreichen.

Darüber hinaus hat man in Künzell Möglichkeiten zu ausgedehnten Ausflügen und Wanderungen in Naherholungsgebiete. Erwähnenswert sind hier insbesondere der Giebelrain, an dessen Fuß die Haunequelle entspringt, und der Florenberg mit einem sehenswerten Vogellehrpfad.

Seit Bildung der Großgemeinde im Jahre 1972 sind in den verschiedenen Ortsteilen eine Vielzahl von Wohngebieten erschlossen worden. Die damit verbundene stetige Bevölkerungszunahme bringt ständig neue Wünsche und Forderungen für eine attraktive, komfortable Gemeinde. Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, hat die Gemeinde in all den Jahren hohe Investitionen getätigt.

Das umfangreichste Bauprojekt in der Geschichte Künzells, das Gemeindezentrum, konnte 1991 eingeweiht werden. Durch eine einmalige Verbindung von Sport und Kultur eröffneten sich neue kulturelle Perspektiven für Künzell. Ungezählte Veranstaltungen unterschiedlichster Art wurden bisher dort abgehalten.

Inzwischen hat sich das Gemeindezentrum darüber hinaus zum Mehrgenerationenhaus für Jugend, Senioren und Vereine weiterentwickelt. Hierfür wurde der bisherige Vereinsraum umgebaut, ein Büro für die Jugend- und Seniorenbetreuer geschaffen und eine Thekenanlage im Foyer eingebaut.

Im Juni 2002 wurde mit dem neu gestalteten Kirchplatz vor der Kirche am Bachrain ein neues Schmuckstück der Öffentlichkeit präsentiert, das mit der Einweihung des neuen Kreisels und dem Umbau des angrenzenden Kreuzungsbereiches an der Turmstraße/Edelzeller Weg/ Oberer Ortesweg vollendet wurde.

Weitere Meilensteine zur Festigung des Prädikats der „sympathischen Gemeinde“ sind der Bau der Florenberghalle als Sporthalle mit Mehrzwecknutzung in Pilgerzell und die Neugestaltung der Sportanlage „Am Noppen“ einschließlich eines Kunstrasen-Fußballplatzes.

In 2011 wurde nach einjähriger Bauzeit das Rathaus eingeweiht. Durch den Umbau wurde ein zeitgemäßes, barrierefreies und bürgerfreundliches Rathaus geschaffen. Es ist nun ein Gebäude entstanden, das wie ein Neubau aussieht, obwohl zwei Drittel der Bausubstanz bereits vorhanden waren.

2014 wurde die „Neue Mitte“ von Künzell am Hahlweg eröffnet. Hier ist ein neuer Treffpunkt entstanden – für Künzeller Bürger, für heimische Unternehmen, für Besucher und Touristen. Moderne Räumlichkeiten mit komfortabler Infrastruktur sowie die gute Erreichbarkeit in Verbindung mit einem großzügigen Parkplatzangebot bilden die Grundlage für einen Gewerbe- und Dienstleistungsstandort mit hoher Anziehungskraft. Die Basis bildet der seit mehreren Jahrzehnten ansässige Nahversorger „Hahner`s Einkaufsmarkt“ mit mehr als 4.000 m² Verkaufsfläche. Daneben sind unter anderem ein Softwareunternehmen, ein Konstruktions- und Personaldienstleistungsunternehmen, Einzelhandelsgeschäfte, ein Optiker, ein Eiscafé, eine Kinderkrippe, ein augenärztliches Operationszentrum, eine Altentagespflege und zwei Friseure untergebracht. Sowohl die Gebäude direkt am Platz als auch das angrenzende Wohnobjekt „Mehrgenerationenwohnen“ bieten verschiedene Wohnmöglichkeiten. Die Gestaltung der „Neuen Mitte“ wurde nach modernsten Gesichtspunkten von Experten geplant – mit freien, sonnenbestrahlten Flächen, schattigen Plätzen unter Bäumen sowie einer modernen Brunnenanlage.

Schritt für Schritt hat die Gemeinde so in den letzten Jahren versucht, die bereits hohe Lebensqualität ihrer Einwohner noch zu verbessern. Dass ihr dies gut gelungen ist, bestätigen ständig steigende Einwohnerzahlen.

Künzell hat sich zu einer attraktiven und sympathischen Wohngemeinde entwickelt.